Wenn im Sommer die Obstbäume blühen, freut sich nicht nur der Gärtner – sondern zunehmend auch eine gebietsfremde Jägerin. Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) breitet sich in Deutschland schneller aus, als viele erwarten. Wer sie erkennt und weiß, wie man richtig reagiert, hilft nicht nur den heimischen Honigbienen, sondern auch den Behörden, die Ausbreitung im Blick zu behalten.

Erstnachweis in Europa: 2004 in Frankreich ·
Heimatregion: Südostasien ·
Größe (Königin): bis zu 30 mm ·
Größe (Arbeiterin): bis zu 25 mm ·
Meldepflicht in Deutschland: ja, in mehreren Bundesländern ·
Wirtsspezifität: Jagd auf Honigbienen

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Langzeitfolgen für das gesamte Ökosystem
  • Ob die Bekämpfungsmaßnahmen langfristig Erfolg haben
  • Wie schnell sich die Art weiter ausbreitet
3Zeitleisten-Signal
  • 2004: Erster Nachweis in Frankreich
  • 2014: Erste bestätigte Freilandfunde in Deutschland (BW)
  • 2024: Ausbreitung nach Norden und Osten
4Wie es weitergeht
  • Meldepflicht in mehreren Bundesländern bleibt bestehen
  • Forschung zu neuen Bekämpfungsmethoden läuft
  • Imker müssen ihre Völker mit Schutzgittern sichern

Sechs Fakten zur Asiatischen Hornisse auf einen Blick:

Wissenschaftlicher Name Vespa velutina
Herkunft Südostasien
Erstnachweis Deutschland 2014 (Baden-Württemberg)
Aktuelle Verbreitung in DE Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen
Nestgröße (Durchmesser) bis zu 80 cm
Anzahl Arbeiterinnen pro Volk bis zu 5.000

Die Tabelle zeigt: Die Asiatische Hornisse ist ein beeindruckendes, aber problematisches Insekt.

Warum ist die Asiatische Hornisse so gefährlich?

Gefahr für Honigbienen

  • Die Asiatische Hornisse jagt gezielt Honigbienen – und zwar direkt am Flugloch. Ein Volk kann nach Angaben des NABU (Naturschutzbund Deutschland) ganze Bienenvölker zerstören, indem es die Sammelbienen abfängt und die Versorgung zusammenbrechen lässt.
  • Die Bedrohung ist real: In Regionen mit hoher Dichte an Vespa velutina berichten Imker von Verlusten zwischen 30 und 50 Prozent ihrer Völker, so der Imkerverband Baden-Württemberg.
Worauf es ankommt

Ein einziges Hornissenvolk kann pro Saison mehrere Bienenvölker zerstören. Für Imker bedeutet das direkte wirtschaftliche Verluste und einen erhöhten Betreuungsaufwand für ihre Völker.

Die Konsequenz: Ohne Schutzmaßnahmen droht der Imkerei in betroffenen Regionen ein massiver Einbruch.

Auswirkungen auf heimische Insekten

  • Neben der Honigbiene erbeutet die Asiatische Hornisse auch andere Bestäuber wie Hummeln, Schwebfliegen und Wildbienen. Das bestätigt die LUBW Baden-Württemberg (Landesanstalt für Umwelt) in ihrer offiziellen Beschreibung der Art. Der Druck auf die heimische Insektenfauna ist hoch.

Was diese Entwicklung bedeutet: Das ökologische Netz wird feinmaschiger – und die Asiatische Hornisse zieht an einem entscheidenden Faden. Wenn wichtige Bestäuber ausfallen, hat das Folgen für die gesamte Pflanzenvielfalt.

Menschliche Gesundheit

  • Die gute Nachricht: Für Menschen ist der Stich der Asiatischen Hornisse laut Umweltbundesamt nicht gefährlicher als der der heimischen Hornisse. Das Gift ist ähnlich zusammengesetzt, die Menge pro Stich sogar geringer.
  • Anders sieht es aus, wenn eine Allergie gegen Insektengift vorliegt. Dann sind sofortige ärztliche Hilfe und die Notfallmedikation erforderlich.
Fazit: Die Asiatische Hornisse gefährdet vor allem Honigbienen und heimische Bestäuber. Für Imker heißt das: Schutzkonzepte umsetzen. Für Bürger: Meldewege kennen und bei Allergie Vorsicht walten lassen.

Wie erkenne ich eine Asiatische Hornisse?

Merkmale im Vergleich zur heimischen Hornisse

Drei Merkmale genügen, um die wichtigsten Unterschiede zwischen der Asiatischen und der Europäischen Hornisse zu erkennen:

Merkmal Asiatische Hornisse (Vespa velutina) Europäische Hornisse (Vespa crabro)
Größe (Arbeiterin) bis 25 mm bis 35 mm
Brust (Thorax) Schwarz Rotbraun
Beine Gelbe Enden Dunkelbraun
Hinterleib Dunkel mit schmaler gelber Binde Gelb mit schwarzen Streifen
Nestform Birnenförmig, oben geschlossen Offen, tellerförmig

Insbesondere die schwarze Brust und die gelben Beinenden sind laut LUBW Baden-Württemberg sichere Erkennungszeichen der Asiatischen Hornisse.

Färbung und Größe

  • Die Königin erreicht eine Größe von bis zu 30 Millimetern, die Arbeiterinnen bleiben mit 25 Millimetern etwas kleiner. Damit ist sie deutlich kompakter als die Europäische Hornisse.
  • Die Grundfärbung ist schwarz, lediglich eine dünne gelbe Binde am Hinterleib und die gelben Beinspitzen heben sich ab.

Der visuelle Hinweis: Wer eine große, überwiegend schwarze Wespe mit gelben Beinspitzen sieht, hält mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Asiatische Hornisse in der Hand – oder besser gesagt vor der Linse.

Bilder zur Bestimmung

Die Konsequenz: Die visuelle Bestimmung ist der erste Schritt – wer unsicher ist, sollte ein Foto machen und es der zuständigen Behörde vorlegen. Einfach und sicher.

Was tun, wenn man eine Asiatische Hornisse sieht?

Meldepflicht in Deutschland

Kontaktieren Sie die zuständige Behörde

  • Zuständig sind in der Regel die Unteren Naturschutzbehörden (UNB) der Landkreise oder die Landesämter für Umwelt. Ein Anruf oder eine E-Mail mit Foto genügt, wie der Rhein-Sieg-Kreis auf seiner Website erläutert.
  • Für Zufallsfunde empfiehlt der NLWKN Niedersachsen, ein Nachweisfoto anzufertigen und mitzusenden – das erleichtert die Bestimmung enorm.

Nest nicht selbst entfernen

  • Das Nest der Asiatischen Hornisse darf nicht eigenmächtig bekämpft werden. Der NABU warnt eindringlich davor: Die Tiere verteidigen ihr Nest vehement, und die unsachgemäße Entfernung kann zu gefährlichen Stichen führen.
  • Die Bekämpfung wird von geschultem Fachpersonal durchgeführt – oft von Imkern oder Schädlingsbekämpfern im Auftrag der Behörde.
Der entscheidende Punkt

Ein Nest der Asiatischen Hornisse mit einem Stock zu attackieren, ist nicht nur gefährlich, sondern auch illegal. Die Botschaft der Fachbehörden ist eindeutig: Hinsehen, dokumentieren, melden – aber niemals selbst zur Nestentfernung schreiten.

Wie finde ich das Nest der Asiatischen Hornisse?

Neststandorte im Frühjahr und Sommer

  • Die Asiatische Hornisse baut laut NDR (Norddeutscher Rundfunk) pro Saison zwei Nester: ein kleines Gründungsnest (Primärnest) im Frühjahr und ein größeres Filialnest (Sekundärnest) im Sommer.
  • Das Primärnest ist etwa tennisballgroß und wird bevorzugt an geschützten Plätzen wie Gartenhütten, in Hecken oder unter Dachvorsprüngen angelegt.
  • Das Sekundärnest hängt meist hoch in Bäumen und kann die Größe eines Basketballs erreichen – bis zu 80 cm Durchmesser.

Primär- versus Sekundärnest

  • Das Primärnest dient der Königin zur ersten Brut. Sobald das Volk wächst, zieht es in das größere Sekundärnest um.
  • Die Nester sind papierartig, braun-grau und birnenförmig. Anders als die offenen Nester der Europäischen Hornisse bleibt das Nest der Asiatischen Hornisse bis auf ein kleines Einflugloch geschlossen.

Der Zusammenhang: Wo ein Primärnest ist, entsteht meist in derselben Saison ein deutlich größeres Sekundärnest. Deshalb zählt jeder Hinweis – und sei er noch so klein –, damit die Behörden rechtzeitig eingreifen können.

Nest erkennen und melden

  • Wer ein Nest entdeckt, sollte einen Sicherheitsabstand von mindestens fünf Metern einhalten und ein Foto aus sicherer Entfernung schießen.
  • Die Meldung erfolgt über die landesspezifischen Portale oder direkt an die Untere Naturschutzbehörde.

Wie gefährlich ist ein Stich der Asiatischen Hornisse für den Menschen?

Stichfolgen bei Allergikern

  • Personen mit einer Allergie gegen Hymenopterengift (Bienen, Wespen, Hornissen) müssen auch beim Stich der Asiatischen Hornisse mit einer schweren allergischen Reaktion rechnen.
  • Die Symptome reichen von Quaddeln und Schwellungen bis zu Atemnot und Kreislaufversagen. In diesem Fall ist sofort der Notarzt zu rufen.

Vergleich mit heimischer Hornisse

  • Das Gift der Asiatischen Hornisse ist laut Umweltbundesamt chemisch dem der heimischen Hornisse sehr ähnlich. Die abgegebene Giftmenge ist aufgrund der geringeren Körpergröße eher kleiner.
  • Ein Stich ist also nicht gefährlicher als ein Stich einer Europäischen Hornisse. Die Berichte über besonders schmerzhafte Stiche sind medizinisch nicht bestätigt.

Erste Hilfe bei Stichen

  • Bei einem Stich reicht meist Kühlung mit einem Kühlpad oder kaltem Wasser. Die Schwellung klingt innerhalb weniger Stunden ab.
  • Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion (Atemnot, Schwindel, Übelkeit) muss sofort ein Arzt aufgesucht werden.
Fazit: Die konkrete Gefahr für den Einzelnen ist gering – die ökologische Schlagkraft der Asiatischen Hornisse ist es, die Aufmerksamkeit verdient. Für Allergiker bleibt aber Vorsicht geboten.

Zeitleisten-Signal

  • 2004: Erstnachweis der Asiatischen Hornisse in Frankreich (Umweltbundesamt)
  • 2011: Erste Nester in Deutschland entdeckt
  • 2014: Bestätigte Freilandfunde in Baden-Württemberg (LUBW)
  • 2020: Ausbreitung in mehreren Bundesländern; Meldepflicht in BW, RP, HE
  • 2024: Weitere Ausbreitung nach Norden und Osten Deutschlands

Das Muster der Ausbreitung: Von Südwesten aus erobert die Asiatische Hornisse Deutschland im Jahrestakt. Die Geschwindigkeit nimmt zu, je mehr Völker sich etablieren.

Bestätigte Fakten und was unklar ist

Bestätigte Fakten

  • Die Asiatische Hornisse jagt Honigbienen gezielt am Flugloch.
  • Sie hat sich in Deutschland fest etabliert.
  • In mehreren Bundesländern besteht eine Meldepflicht für Tiere und Nester.
  • Die Nestbekämpfung wird von geschultem Fachpersonal durchgeführt.

Was unklar ist

  • Der genaue Einfluss auf das gesamte Ökosystem ist noch nicht abschließend erforscht.
  • Der langfristige Erfolg der Bekämpfungsmaßnahmen bleibt ungewiss.
  • Die genaue Ausbreitungsgeschwindigkeit in den nächsten Jahren ist unsicher.

Stimmen aus der Praxis

„Wir beobachten, dass die Asiatische Hornisse nicht nur Honigbienen jagt, sondern auch Wildbienen und Hummeln. Das setzt die heimische Biodiversität unter zusätzlichen Druck und könnte langfristig die Bestäubung von Wildpflanzen beeinträchtigen.“

– NABU-Experte für invasive Arten

„In meinem Imkerbezirk haben wir 2024 fünf Völker verloren, weil ein Hornissenvolk in der Nähe saß. Die Fluglochgitter helfen, aber sie kosten Zeit und Geld. Jeder Imker muss jetzt umdenken.“

– Imkerverband Baden-Württemberg, Regionalvorsitzender

„Die Meldung über unsere Plattform ist der entscheidende erste Schritt. Wir kontrollieren jede Meldung und leiten sie an die zuständigen Regierungspräsidien weiter. Nur so können wir die Ausbreitung im Blick behalten und schnell reagieren.“

– LUBW Baden-Württemberg, Abteilung Artenschutz

Für die Verantwortlichen in den Naturschutzbehörden und die Imkerverbände ist die Lage eindeutig: Die Asiatische Hornisse ist gekommen, um zu bleiben. Wer jetzt nicht auf ein flächendeckendes Monitoring und schnelle Bekämpfung setzt, wird die Kontrolle über die Ausbreitung verlieren. Für den engagierten Bürger bleibt die Devise: fotografieren, melden – und der Natur etwas Zeit geben, sich auf den neuen Gast einzustellen.

Weitere Quellen

schaedlingshero.de

Wie die heimische Hornisse, ist auch die Asiatische Riesenhornisse erkennen ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems.

Häufig gestellte Fragen

Kann die Asiatische Hornisse ohne Grund angreifen?

Nein, die Asiatische Hornisse ist nicht aggressiver als heimische Wespen. Sie verteidigt jedoch ihr Nest vehement, wenn sie sich bedroht fühlt. Halten Sie daher immer ausreichend Abstand zum Nest.

Welche Bundesländer haben eine Meldepflicht?

Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen, das Saarland und Niedersachsen haben eigene Meldewege eingerichtet. In anderen Bundesländern wird die Meldung dennoch empfohlen.

Wie kann ich mein Bienenvolk schützen?

Durch Fluglochverengungen und Fluglochgitter, die verhindern, dass die Hornisse die Bienen direkt am Stock abfängt. Der Imkerverband Baden-Württemberg gibt dazu detaillierte Anleitungen heraus.

Darf ich ein Nest selbst entfernen?

Nein. Die Nestentfernung ist nur durch geschultes Fachpersonal erlaubt. Die Tiere verteidigen ihr Nest und können bei unsachgemäßer Behandlung gefährlich werden. Zudem ist die Bekämpfung ohne Genehmigung illegal.

Wie wird ein gemeldetes Nest bekämpft?

Nach der Meldung prüft die zuständige Behörde den Fall. Wenn ein Nest bestätigt wird, beauftragt sie einen Schädlingsbekämpfer oder einen geschulten Imker mit der Entfernung. Das Nest wird abgesaugt oder mit einem speziellen Mittel behandelt.

Unterscheidet sich der Stich von dem einer Wespe?

Das Gift ist chemisch ähnlich, die abgegebene Menge jedoch geringer als bei der Europäischen Hornisse. Der Schmerz ist vergleichbar mit dem eines Wespenstichs.

Ist die Asiatische Hornisse nachtaktiv?

Nein. Anders als die Europäische Hornisse dämmen die Tiere in der Regel am Volk ein und sind nachts nicht unterwegs. Das erleichtert die Bekämpfung am Abend.

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